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Die vergessene Generation

Die letzten Tage haben Großbritannien bis ins Mark erschüttert. Brennende Barrikaden und Häuser, eingeschlagene Schaufensterscheiben, verwüstete Straßen und Plünderungen – Ergebnisse von nächtelangen „Riots“. Auslöser soll der Tod eines 29-jährigen Familienvaters gewesen sein, der beim Schusswechsel mit der Polizei ums Leben kam. Doch ist das wirklich der einzige Grund? Ich glaube es nicht. Eine Analyse.

Alles begann mit einer friedlichen Protestkundgebung am Abend des 4. August vor dem örtlichen Kommissariat im Bezirk Tottenham. Die Verlobte und die Angehörigen des Opfers wollten mehr über die Umstände wissen, wie es zu diesem Todesfall kam. Aber die Behörden hielten dicht. Kein einziges Wort drang nach außen. Am Anfang wurde vermutet, dass Mark Duggan zuerst geschossen hatte; was sich nach ballistischen Untersuchungen aber als falsch herausgestellt hatte. Die Information über Duggans Tod und der damit zusammenhängende Ausbruch der gewaltigen Ausschreitungen verbreitete sich wie ein Lauffeuer in den Medien dieser Welt und wurde als einziger Grund genannt. Meiner Meinung nach stimmt das nicht. Wenn man sich nämlich das Ausmaß der Zerstörungen genauer ansieht, kann man durchaus davon ausgehen, dass es schon etwas länger im Kessel brodelt.

Da treffen mehrere Faktoren aufeinander. Zum Beispiel die Tatsache, dass es sich bei Tottenham, Brixton und einigen anderen um Arbeiterviertel mit hoher Arbeitslosigkeit handelt. Die Jugendlichen haben überhaupt keine Zukunftsperspektiven. Einige werden sich jetzt denken: „Tja, dann sollen sie sich eben eine Arbeit suchen.“ Nun, das ist zunächst leicht dahergesagt. Die Wirklichkeit sieht trotzdem anders aus. Dort gibt es schlicht und ergreifend keine Arbeit, oder die Möglichkeit, dass die jungen Leute eine Ausbildung absolvieren können. Die übriggebliebenen Jobs hängen von öffentlichen Geldern ab. Im Zuge des radikalen Sparkurses der konservativen Regierung um Premierminister Cameron, sollen der Sozialbereich und die Mittel für die Jugendarbeit massiv gekürzt werden. Ein fataler Weg, weil man der dortigen Jugend, aber auch den Erwachsenen den letzten Funken Hoffnung raubt. Mit dem Sparpaket werden diese Menschen, die ohnehin schon wenig haben, weiter geschröpft. Eine explosive Mischung, die irgendwann hochgeht.

Ein kleiner Blick in die Geschichte verdeutlicht, dass die Fehler von damals wiederholt wurden: Was Margaret Thatcher einst gepredigt hatte, wurde einfach übernommen. Von der Labour-Party, wie auch von den Konservativen. Der Kern ihrer Wirtschaftspolitik in den 1980er Jahren, war auch ein Sparpaket, zulasten der Arbeitnehmerschaft, Kommerzialisierung der Lebensbereiche und einiges mehr. Und die, die tatsächlich von den wirtschaftlichen Reformen profitiert hatten, waren sicherlich nicht die „kleinen Leute“, sondern die, welche schon genug besaßen. Was auch wenig verwunderlich ist, wenn Einkommen und Vermögen ungleich verteilt sind und die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) bereits mehrfach bestätigt hat. Zwar wuchs die britische Wirtschaft vor Beginn der Weltwirtschaftskrise 2008 wieder, allerdings kam der konjunkturelle Aufschwung kaum bis gar nicht in den besagten Stadtteilen an.







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