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UNO mahnt USA

Gewalt in Ferguson: Vereinte Nationen fordern von Washington Respektierung der Versammlungsfreiheit

Trotz einer nächtlichen Ausgangssperre und Appellen von US-Präsident Barack Obama beruhigt sich die Lage in Ferguson bislang nicht. Seit zwölf Tagen protestieren die Bewohner der Kleinstadt im US-Bundesstaat Missouri wegen des Todes des von einem weißen Polizisten erschossenen schwarzen Teenagers Michael Brown. Inzwischen richten sich die Demonstrationen aber auch allgemein gegen die Unterdrückung durch die Polizei. In der Nacht zum Dienstag nahmen die Auseinandersetzungen an Heftigkeit zu. Die Polizei setzte Tränengas, Blendgranaten und Panzerfahrzeuge ein und nahm über 30 Personen fest. Auch zahlreiche Medienvertreter wurden verhaftet, unter ihnen drei deutsche Journalisten. Sie kamen nach mehreren Stunden wieder frei. Angeblich waren die Reporter der Aufforderung der Polizei nicht gefolgt, »weiterzugehen und nicht stehenzubleiben«.

UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon forderte die US-Behörden auf, das Demonstrationsrecht und die Versammlungsfreiheit zu achten. Die Beamten müßten sich an die in den USA geltenden Gesetze und internationale Standards halten, forderte er. Zugleich äußerte er die Hoffnung, daß die offizielle Untersuchung die volle Wahrheit über die Tötung ans Licht bringen und Gerechtigkeit geübt werde.

Die Polizei des für Ferguson zuständigen Bezirks St. Louis war von Beginn an in kriegsmäßiger Kampfausrüstung gegen die anfangs weitgehend friedlichen Demonstranten vorgegangen. Die von ihr zunächst unbegrenzt verhängte nächtliche Ausgangssperre wurde inzwischen zwar formal wieder aufgehoben, doch kündigte die Polizei an, auch weiterhin »insgesamt konsequent« gegen »Störer« vorgehen zu wollen. Ein ZDF-Reporter berichtete am Montag abend, in der Stadt herrsche den ganzen Tag über ein »faktisches Versammlungsverbot«. Die Polizei löse selbst kleinste Menschenansammlungen sofort auf.

Michael Browns Eltern haben bei dem bekannten Pathologen Dr. Michael Baden eine unabhängige Autopsie der Leiche ihres Sohnes in Auftrag gegeben (jW berichtete). Benjamin Crump, der Leiter des Anwaltsteams der Familie, erklärte dazu auf einer am Montag anberaumten Pressekonferenz, die Eltern hätten sich nicht auf die Ermittlungsbehörden von St. Louis verlassen wollen, »denn das ist derselbe Personenkreis, den unsere Mandanten für die Hinrichtung ihres Sohnes verantwortlich machen«. Baden kam zu dem Ergebnis, daß Brown von vier Kugeln im rechten Arm und zwei im Kopf getroffen worden sei. Diese Information habe auch die Polizei in Ferguson nach der ersten Autopsie gekannt und schon am Tag nach den Ereignissen offenlegen können, monierte der Anwalt. Die zweite Untersuchung habe jedoch ganz klar die Zeugenaussagen bestätigt, wonach sich Brown dem Polizisten Darren Wilson mit erhobenen Händen ergeben hatte. Vor allem der tödliche Kopfschuß, der von oben in die Schädeldecke eingedrungen war, zeige, »daß Brown den Kopf gesenkt hatte, als er sich ergab«, so Crump. »Welche Beweise brauchen die noch, um den Mörder meines Kindes zu verhaften?« zitierte der Anwalt die Mutter Lesley McSpadden. Doch mit der Verhaftung des von mehreren Zeugen identifizierten Todesschützen Darren Wilson ist vorläufig nicht zu rechnen. Er wurde zwar vom Dienst suspendiert, soll jedoch seinen Wohnort verlassen haben und sich mit Unterstützung seines Dienstherren an unbekanntem Ort aufhalten.

Quelle: © junge Welt

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