~ Gedanken über die Welt ~

Archiv für die Kategorie ‘Innenpolitik’

Ausbeutung in Griechenland: „Urlaub bis zum Umfallen…“ ~ Artikel aus SPIEGEL ONLINE vom 18. Juli 2017.

images-12

Griechenlands Hoteliers jubeln über Rekordumsätze – bei den Beschäftigten aber kommt wenig davon an. Tarifverträge werden ausgehebelt, Saisonkräfte hausen in Containern. Nun droht Streik zur Hochsaison.

Die griechische Tourismusbranche floriert. In diesem Jahr werden rund 30 Millionen Urlauber erwartet, mehr als jemals zuvor. Statistisch gesehen kommen damit 2017 auf jeden Griechen etwa drei Touristen.

„Jedes Jahr brechen wir neue Rekorde“, sagte Premierminister Alexis Tsipras neulich hocherfreut vor Hotelmanagern. Sein Enthusiasmus ist nachvollziehbar. Der Tourismus wird Griechenland in diesem Jahr voraussichtlich 14 Milliarden Euro aus dem Ausland einbringen – eine überlebenswichtige Stütze für die krisengeschüttelte Wirtschaft des Landes.

Doch den Preis zahlen viele der mehr als 340.000 Beschäftigten der Branche. Die Arbeitstage sind lang, die Gehälter gering. Viele Griechen werden illegal beschäftigt, haben keinen Versicherungsschutz und können leicht gefeuert werden. „Die Rekorde und Gewinne basieren auf überarbeiteten, ausgebeuteten Angestellten, von denen viele umfallen vor Erschöpfung“, sagt Kyriakos Tsaousis, Chef einer Touristik-Gewerkschaft im Norden Griechenlands.

Tourismus- und Gastronomie-Gewerkschaften haben für Donnerstag einen landesweiten Streik angekündigt, um auf die derzeitigen Zustände in der Branche aufmerksam zu machen. Es ist der erste Streik im Tourismussektor seit 2012. Panagiotis Prountzos, Präsident des Dachverbands der Tourismus-Gewerkschaften, glaubt an einen Erfolg des Arbeitskampfs: „Die Arbeitsbedingungen verschlechtern sich so schnell, wir können nicht länger schweigen.“

  • Stagnierende Löhne: Festangestellte haben mehr Sicherheit im Job. Doch auch sie beklagen geringe Gehälter und schlechte Arbeitsbedingungen. Die Löhne wurden 2012 um 15 Prozent gekürzt. Seither stagnieren sie, obwohl die Gewinne der Branche kontinuierlich steigen. Gewerkschaften schätzen, dass sich nur ein Prozent aller griechischen Hotels an Tarifverträge hält. Sie umgehen sie mit zahlreichen Tricks: Tarifabkommen sind verpflichtend nur für Mitglieder von Hotelvereinigungen. Viele Unternehmen ziehen sich deshalb aus den Verbänden zurück. Die größte Vereinigung – Heraklion auf der Insel Kreta – hat sich gerade auf Initiative der Mitglieder selbst aufgelöst. In einigen Hotels müssen inzwischen sogar hochqualifizierte Fachkräfte Verträge als ungelernte Arbeiter unterzeichnen. Sie bekommen nur den Mindestlohn von 586 Euro.
  • Viele Arbeitgeber nutzen Gesetzeslücken aus, um Mitarbeiter billig und zeitlich befristet anzustellen. Das Gesetz sieht Grenzen für vom Staat subventionierte Praktika vor: Sie dürfen nicht mehr als 17 Prozent der Lohnsumme eines Betriebs ausmachen und 40 Praktikanten pro Hotel nicht übersteigen. Viele Arbeitgeber setzen aber mehr ein. Ein Praktikant kostet Hotels nur 187 Euro pro Monat. 
  • Arbeitgeber dürfen Beschäftigten unter 25 Jahren Gehälter unterhalb des Mindestlohns geben. Die Maßnahme war eigentlich dazu gedacht, die Jugendarbeitslosigkeitzu bekämpfen (derzeit 46,6 Prozent). Doch Missbrauch ist einfach, die Regelung erlaubt, junge Arbeitskräfte für gerade einmal 511 Euro pro Monat einzustellen. Gewerkschaften schätzen den Anteil solcher Arbeitsverhältnisse auf mindestens30 Prozent der Gesamtbeschäftigung in der Reisebranche.
  • Ein weiterer Trick besteht darin, ausländische Arbeitskräfte aus Russland oder Osteuropaanzuwerben, über Agenturen in Ländern wie Zypern. Diese „Trainees“ arbeiten Vollzeit, leben in Sammelunterkünften und verdienen monatlich gerade einmal 300 bis 400 Euro. Es ist nicht unüblich, dass selbst in Luxushotels in beliebten Urlaubsorten kaum ein Angestellter Griechisch spricht.
  • Gehälter werden zurückgehalten: Selbst viele profitable Hotels schlagen Kapital aus der Zwangslage vieler Beschäftigter, indem sie die Auszahlung von Gehältern verzögern, teilweise um Monate. Beschwerden darüber sind selten, viele Beschäftigte fürchten Repressalien. Gewerkschaften berichten davon, dass Hoteliers erst Steuern, Sozialabgaben und Lieferanten bezahlen, bevor sie den eigenen Mitarbeitern Geld auszahlen. „Die Botschaft ist klar: Sei froh, dass du überhaupt einen Job hast. Also halt die Klappe, oder wir stellen jemand an deiner Stelle ein“, sagt ein Hotelbediensteter aus Thessaloniki.
  • Verletzung von Gesundheits- und Arbeitsschutzrichtlinien: Angestellte beschreiben erschütternde Zustände, die Rede ist von Gluthitze in den Küchen, fehlenden Schutzausrüstungen, glitschigen Böden und fehlenden Sicherheitsverfahren. Unfälle sind häufig. Die Zahl der Arbeitsunfälle ist von 2009 bis 2016 um 580 Prozent gestiegen.

Der griechische Touristikverband SETE bezog auf am Mittwoch Stellung. „Die Hotelbranche ist in Griechenland der einzige große Arbeitgeber, der drei hintereinander folgende Tarifverträge unterzeichnet hat“, so Verbandspräsident Giannis Retsos gegenüber SPIEGEL ONLINE. Der vereinbarte Mindestlohn liege mit 768 Euro zudem 30 Prozent über den landesweiten Mindestgehältern. Zu den Vorwürfen sagte Retsos, „jeder Fall schlechter Geschäftsführung und jede Verletzung der Arbeitsgesetze ist zu verurteilen“.

Nach Angaben von Gewerkschaftsvertretern und Mitarbeitern gibt es auch Hoteliers, die alle Rechte der Mitarbeiter respektieren. Dabei handele es sich allerdings vor allem um Luxushotels in den Zentren Athen und Thessaloniki. Fünf-Sterne-Häuser machen allerdings nur rund fünf Prozent der etwa 10.000 Hotels in Griechenland aus. Auf sie entfallen weniger als 17 Prozent aller Betten.

In beliebten Tourismuszentren wie Mykonos, Santorin, Korfu oder Rhodos hingegen werden Beschäftigte oft ausgenutzt. Gewerkschaften verzeichnen zahlreiche Beschwerden aus diesen Ferienzentren. Manche Saisonarbeiter können sich keine eigene Unterkunft leisten. Sie leben in Gruppen von bis zu zehn Personen unter der brennenden Sonne in Metallcontainern.

„Die berühmten traumhaften Urlaubsorte“, sagt Gewerkschafter Prountzos, „sind für viele Beschäftigte ein Albtraum.“

Hier geht es zum Original-Link: ➡

http://m.spiegel.de/wirtschaft/soziales/griechenland-wie-die-reisebranche-griechische-beschaeftigte-ausbeutet-a-1158299.html

 

Advertisements

Griechenland: „VIO.ME“ vor Entscheidung: Fortbestehen durch Zwangsversteigerung bedroht! Solidaritätserklärung unterzeichnen!

VIO.ME vor Entscheidung: Fortbestehen durch Zwangsversteigerung bedroht! Solidaritätserklärung unterzeichnen!

Vio_Me_Der in Eigenregie und Selbstverwaltung produzierende Betrieb VIO.ME, seit dem letzten Jahr als Sozialkooperative anerkannt, ist erneut in akuter Gefahr. Seit dem 29. Mai ist ein Konkursverwalter durch Gerichtsentscheid berechtigt, im Auftrag der Eigentümerfamilie alle beweglichen Vermögens gegenstände auf dem Betriebsgelände zu erfassen und unmittelbar an beliebige Interessenten zu veräußern. Er hat Zugriff auf sämtliche beweglichen Güter, auf den Maschinenpark und Werkzeuge, auf Rohstoffe und Produkte, auf die den Arbeitern gespendeten Fahrzeuge, aber auch auf Einrichtungen und Geräte der Zweigstelle der Sozialklinik, die sich im Betrieb befindet, ebenso auf das Lager mit Hilfsgütern für Flüchtlinge. Mit dem Einsatz von Polizeigewalt ist zu rechnen.

VIO.ME ist immer noch der einzige Betrieb in Griechenland, den die Arbeiter nach der Flucht der Eigentümerfamilie besetzt und inzwischen seit 4 ½ Jahren in Arbeiterselbstverwaltung fortgeführt haben. Wichtig für das Fortbestehen des Projekts war und ist die Unterstützung in der griechischen Bevölkerung, in Thessaloniki und darüberhinaus, aber auch die vielfältige internationale Solidarität.

Wir rufen nun auf zur Solidarität mit der Erklärung der VIO.ME-Kollegen und zum Einstehen für ihre Forderungen, damit sie sich in der jetzigen bedrohlichen Situation auf die internationale Solidarität stützen und Druck auf die Parlamentsfraktion von Syriza und die Regierung ausüben können.

„Wir, die ArbeiterInnen von VIO.ME, betreiben die besetzte Fabrik seit viereinhalb Jahren und kämpfen schon seit sechs Jahren, doch das juristische System Griechenlands richtet immer noch heftige Angriffe gegen uns. Unser Versuch, den Betrieb der Fabrik fortzusetzen, ist abgelehnt worden, und ein entsetzlicher Gesellschaftskonkurs ist in Kraft getreten. Nun sollen die Produktionsmittel einer Zwangsversteigerung unterzogen werden. Die Produktionsmittel, durch deren Gebrauch dutzende Familien seit viereinhalb Jahren ein Einkommen bekommen. Die Verantwortung tragen die „ehrbaren“ Richter, deren einziges Ziel ist, das zu zerstören, was wir, die ArbeiterInnen von VIO.ME, mit so viel Mühe in Gang gesetzt haben. Sie tun das, damit keine andere aufgegebene Fabrik in die Hände der ArbeiterInnen gelangen kann. Deshalb klagen wir das juristische System und den für die Abwicklung der Fabrik bestellten Liquidator an. Sie wollen uns den Weg versperren, weil wir eine besetzte Fabrik ohne Chef betreiben.
Wir laden euch ArbeiterInnen, Mitglieder einer Gewerkschaft, Zusammenschlüsse ein, uns zu unterstützen, damit wir alle zusammen zeigen, dass wenn sie nicht können, dann können wir.
Wir brauchen eure praktische Unterstützung, um die Fabrik am Leben zu halten und unsere Familien vor Armut und Angst zu schützen. Wir brauchen Solidaritätserklärungen, um unsere Kraft zu beweisen: die Kraft der Solidarität, die stärker ist als jegliche Unterdrückung vom Kapital, stärker als jeglicher Zusammenbruch des kapitalistischen Wirtschaftssystem.
Kämpferisch und in Solidarität
Die ArbeiterInnen von VIO.ME“

➡ Petition hier unterschreiben!

Begünstigung der Superreichen

Ein Beitrag der jungen Welt. (Quelle)

„Der Gesetzesentwurf (…) sieht vor, dass Firmenerben auch in Zukunft weitgehend von der Erbschaftssteuer befreit werden sollen, wenn sie das Unternehmen fortführen. „Wir sprechen von der Übertragung von Vermögenswerten der „Superreichen“, die auch in Zukunft nahezu steuerfrei erfolgen soll“, sagte Bauer, und dies sei „ein Skandal“. Schließlich vereinen die reichsten 500 Deutschen auf sich ein Vermögen von 600 Milliarden Euro und die reichsten 70.000 Deutschen besitzen zusammen ein Viertel des Gesamtvermögens in der Bundesrepublik.“

Zum Weiterlesen bitte hier klicken: http://www.jungewelt.de/2015/10-10/059.php

 

Die Überflüssigkeit des Verfassungsschutzes

Ist der Verfassungsschutz noch vertrauenswürdig? Nach dem Bekanntwerden der neofaschistischen Mordserie, könnte man diese Frage mit „Nein“ beantworten. Denn im Zuge der Aufarbeitung kamen auch Vestrickungen des VS in das NSU-Netzwerk zum Vorschein.

Einer der Aufgaben der Verfassungschutzbehörden ist unter anderem der Schutz der freiheitlich demokratischen Grundordnung (FDGO) vor verfassungsfeindlichen Bestrebungen. Normalerweise. Doch die Morde an 9 ausländischen Mitbürgern und einer Polizistin lassen etwas anderes vermuten. Wie kann es sein, dass das Treiben des Zwickauer Neonazi-Trios um Uwe B, Uwe M. Und Beate Z., die dem „Nationalsozialistischen Untergrund“ angehörten jahrelang unentdeckt blieb?
Bis zu diesem Zeitpunkt dachte noch keiner an mögliche Vestrickungen des Sicherheitsapparates mit der rechten Szene. Aber während der Ermittlungen kam die Wahrheit – wenn auch nur stückchenweise – ans Licht. Der Thüringer Verfassungschutz hat dem Trio damals über Mittelsmänner mehr als 2000 Mark für gefälschte Pässe zukommen lassen. Einer der Mittelsmänner war der NDP-Funktionär Tino Brandt, der wiederum vom Landesverfssungschutzpräsidenten als V-Mann geführt wurde. Dieser hatte dann das Geld weitergeleitet. Angeblich sollte die Geldzahlung dazu dienen, den Aufenthaltsort der Neonazis ausfindig zu machen.

Tja, damit hat sich die Behörde aber ins eigene Fleisch geschnitten; denn die 3 hatten sich bereits die neuen Pässe besorgt und konnten einfach so mir nichts, dir nichts untertauchen. Das wäre allerdings nicht passiert, wenn der Thüringer Verfassungsschutz die Meldeämter in Sachsen informiert hätte. Ziemlich eigenartig, oder?
Nach neuesten Erkenntnissen wusste der VS schon seit längerer Zeit vom NSU und dem Trio. Aber die selbsternannten Verfassungschützer sind offensichtlich auf dem rechten Auge blind, sonst hätten sie schon längst etwas unternommen, um die Mörder dingfest zu machen. Aber nein, stattdessen stützt man sich auf eine völlig unwissenschaftliche Extremismus-Theorie, spricht vom „aufkommenden Linksterrorismus à la RAF“ und ordnet Repressionen gegen Antifaschisten an, welche sich logischerweise gegen den braunen Sumpf richten. Wie war das noch gleich, der VS  soll die Demokratie schützen?
Ach ja, ein Verfassungsschutz der mit einigen braunen Gestalten unter einer Decke steckt, die keinen Wert auf Demokratie legen, soll genau diese schützen? Nein, auf so einen Verfassungschutz können wir getrost verzichten.

Schlagwörter-Wolke

%d Bloggern gefällt das: